Čuljak.
Ein Geschlecht vom Hügel Klobuk bei Ljubuški — und die Geschichte des Ortes, der ihm seinen Namen gab.
Dieser Name hat einen Ort. Am westlichen Rand der Herzegowina, dort wo der steinige Karst der Bekija in die Ebene übergeht, erhebt sich ein einzelner Hügel — steil wie eine Mütze, ein klobuk. Er gab dem Dorf zu seinen Füßen den Namen, und das Dorf gab ihn weiter an eine Sippe, die ihn bis heute trägt: Čuljak.
Čuljak — woher der Name kommt
Ein herzegowinischer Name mit ausdrücklicher Heimat: „Die Čuljak sind Kroaten und stammen mehrheitlich aus der Herzegowina — aus Klobuk bei Ljubuški.“
Über die Herkunft des Namens streiten zwei Deutungen — und beide führen, jede auf ihre Weise, zurück zum Stein und zur Gestalt des Landes.
Vom Gipfel
Vom dalmatinischen čulj — „Spitze, Gipfel, Bergscheitel“. Ein Čuljak wäre dann jemand, der oben auf der Höhe lebte. Eine Deutung, die im Schatten eines kegelförmigen Hügels namens Klobuk eine besondere Stimmigkeit gewinnt.
Vom Merkmal
Vom Adjektiv čulav / čuljav — „klein- oder stummelohrig“. Ein Beiname, der vom Vieh auf den Menschen überging, wie viele alte Familiennamen aus einem körperlichen Merkmal entstanden.
Das Wappen der Familie Čuljak

Das Familienwappen trägt zwei Inschriften, die alles Wesentliche sagen: die Jahreszahl 1701 und den Namen des Ortes — KLOBUK. In zwei Feldern erzählt es vom Leben dieses Geschlechts zwischen Glaube, Land und Herkunft.
- Sterne & Lammim oberen Feld — Zeichen des Glaubens und der Sanftmut; das Lamm als altes christliches Sinnbild.
- Kreuz & Kelchdas Kreuz über einem Gefäß — die tief katholische Prägung der herzegowinischen Heimat.
- Fass & OchseWeinfass und Ochse — Wein- und Ackerbau, die Arbeit auf dem kargen Karstboden.
- Hügel & Sonneim unteren Feld der Hügel Klobuk vor strahlender Sonne — der Berg, der dem Namen seine Gestalt gab.
- Rebe & Traubendie Weinrebe — der Weinbau der Herzegowina, bis heute prägend für die Region.
- Schachfelddas rot-weiße šahovnica-Muster — das Bekenntnis zur kroatischen Zugehörigkeit.
Die Deutung folgt der sichtbaren Darstellung und herzegowinischer Tradition; die genaue Bedeutung kennt die Familie selbst am besten — Ergänzungen sind willkommen.
Vom Brdo zu den Čuljkove Njive
Kein Name ist so fest mit Klobuk verwachsen wie dieser: Ein ganzer Weiler trägt ihn.
Die Überlieferung der Pfarrei erzählt es klar: Die Čuljci wohnten ursprünglich auf Brdo — dem „Berg“, oberhalb des heutigen Sendemasts. Als der Platz dort eng wurde, zogen sie nach und nach hinab auf ihre Felder. Diese Felder gaben dem neuen Weiler seinen Namen: Čuljkove Njive, die „Čuljak-Felder“. Neben den Čuljak siedelten hier auch die Međugorci, die denselben Weg vom Brdo nahmen.
In den Kirchenbüchern taucht der Name erstmals 1860 auf — bei der Taufe der Iva, Tochter des Martin Čuljak. Der Weiler selbst wird erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts eigens genannt; zuvor zählte man ihn zu Šiljevišta, obwohl die Namen seiner Bewohner ihn längst als Čuljkova Njiva auswiesen. Bis heute liegt am Ort das Čuljkovo groblje — der Friedhof der Sippe.

Klobuk — ein Grenzland aus Stein und Wasser
Klobuk liegt ganz im Westen der Gemeinde Ljubuški und bildet deren westliche Schwelle — die letzte herzegowinische Siedlung vor der kroatischen Grenze.
Hier trifft die steinige Bekija — das Hochland um Imotski und Grude — auf die Nahija, die fruchtbare Ebene des Vitinsko und Ljubuško polje. Durch die Gemarkung zieht der Fluss Trebižat, der auf seinem Lauf mehrfach den Namen wechselt; unterhalb des Weilers Poljane bricht die Karstquelle Klokun hervor.
Den Namen gab der Hügel: Das Wort klobuk bedeutet „Mütze“ und führt über das altslawische klobukъ auf das orientalische kalpak zurück — eine hohe, spitze Kappe. Genau diese Gestalt hat der Berg, der sich an allen Seiten gleich steil aus dem Feld erhebt. Das Dorf gliedert sich in rund ein Dutzend Weiler — zaseoci — darunter die Čuljkove Njive.
Eine Karte des Hügels
Der Hügel, seine Weiler und der Fluss — und mittendrin der Grund der Familie: das Brdo und die Čuljkove Njive.
Schematische Orientierungsskizze — nicht maßstabsgetreu; die Lage der Weiler ist annähernd dargestellt.
Dreitausend Jahre auf einem Hügel
Die Heimat der Čuljak ist alt. Der Hügel war Wehranlage, Grenzwacht und Friedhof, lange bevor sein Name zum ersten Mal auf Papier stand.
An der Westflanke des Hügels verbirgt sich eine illyrische Wallburg (gradina) mit einem Trockenstein-Wall von 230–250 m Länge — möglicherweise von den Ardiäern, die hier die Ankunft der Slawen erwarteten.
Der Raum Ljubuški wird römisch; Grabinschriften belegen Legionsteile und Hilfskohorten. Wenige Kilometer entfernt entsteht bei Humac ein bedeutendes Militärlager.
Die Landschaft gehört zum mittelalterlichen bosnischen Staat und fällt an das Adelsgeschlecht der Kosača unter Herzog Stjepan Vukčić — nach ihm trägt die Herzegowina ihren Namen. Aus dieser Zeit stammen die stećci, die auch bei Klobuk stehen.
In einer osmanischen Dörferliste von 1585 wird Klobuk erstmals urkundlich genannt. Die Katholiken feiern ihre Messe heimlich auf dem Hügel Markovište — ein Brauch, an den bis heute erinnert wird.
Das Familienwappen nennt die Jahreszahl 1701 und den Ort Klobuk. In den Pfarrmatrikeln erscheint der Name Čuljak erstmals 1860 bei der Taufe der Iva, Tochter des Martin Čuljak.
Am 1. Mai 1873 wird Klobuk eine eigenständige Pfarrei (sv. Marka) — mit 5 Dörfern, 243 Häusern und 1.607 Gläubigen. 1907 öffnet die Dorfschule.
Wie weite Teile der Herzegowina erlebt Klobuk eine große Auswanderung — nach Kroatien, Deutschland, in die Neue Welt bis nach Argentinien. Die Pfarrei begeht 2023 ihr 150-jähriges Bestehen.
Die stummen Zeugen — stećci, Gradina, Markovište
Im Raum Ljubuški sind an 45 Fundorten rund 600 stećci dokumentiert — mittelalterliche Grabsteine des 14. und 15. Jahrhunderts, auch in Klobuk. Ihre Ränder umzieht oft ein geflochtenes Seil; auf den Flächen erscheinen Kreuze und Halbmonde, Rosetten und menschliche Gestalten.
Die katholische Identität dieses Landstrichs ist alt und zäh. In osmanischer Zeit wurde die Messe an einem versteckten Platz auf dem Markovište gelesen; heute kehren Pfarrei und Gläubige einmal im Jahr dorthin zurück, um jener schweren Jahre zu gedenken.
Die Geschichte der Pfarrei und ihrer Weiler hat der Historiker Fra Dr. Robert Jolić 2015 in der Monografie „Župa sv. Marka u Klobuku“ aufgearbeitet — 472 Seiten, 331 Fotografien, sieben Karten.
Ein kleines Dorf, eine weite Wirkung
Von Klobuk aus zog der Name in die Welt — nach Dalmatien und Slawonien, nach Deutschland und bis nach Argentinien. Und für seine Größe brachte das Dorf erstaunlich viele bekannte Söhne und Töchter hervor.
Geboren 1963 in Mostar, mit den Wurzeln in Klobuk, Gymnasium in Ljubuški. Kroatische Außen- und Europaministerin sowie stellvertretende Regierungschefin — und ab Oktober 2019 Generalsekretärin des Europarats, als erst zweite Frau und erste Person aus Mittel- und Südosteuropa an dessen Spitze.
Stammt aus dem Weiler Brkići-Vlaka. Langjähriger Abgeordneter und stellvertretender Vorsitzender des kroatischen Parlaments (Sabor).
Geboren am 19. Mai 1874 im Weiler Šiljevišta. Als Jesuiten-Scholastiker starb er am 15. April 1897 in Travnik im Ruf der Heiligkeit. 2015 bestätigte Papst Franziskus seinen heroischen Tugendgrad — seither Venerabilis, auf dem Weg zur Seligsprechung.
Bilder aus Klobuk
Hierher gehören eure Fotos — vom Hügel, vom Dorf, von der Familie.




Quellen & weiterführende Lektüre
Zusammengetragen aus öffentlich zugänglichen kroatischen, bosnisch-herzegowinischen, deutschen und englischen Quellen. Wo Angaben variieren, wurde die belegbarste Lesart gewählt.
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